OFFENER BRIEF

Sehr geehrter Herr Bürgermeister, geschätzte Frau Präsidentin,

erlauben Sie bitte, dass wir auf einen Misstand, mehr noch, auf ein massives Ärgernis hinweisen, um dessen Abstellung wir Sie, den Stadtrat wie auch die Mehrheitsparteien unserer Gemeinde eindringlich ersuchen:
Kollege Massimo Bessone hat als Wortführer seiner Partei, der Lega Nord, die Grüne Bürgerliste ob unserer Ablehnung und Kritik des Bettelverbots in Brixen in einer Härte und mit einem Tonfall attackiert, die mit seinem Amt als Vizepräsident des Gemeinderats keinesfalls vereinbar sind.

In mehreren, stark beachteten und kommentierten Angriffen und Ausfällen auf Facebook, hat Herr Bessone unsere Gruppierung als „Gutmenschen“ und Handlanger von „Sozialschmarotzern“ abgestempelt, die seiner im Umgang gepflegten Jovialität Hohn spricht. Seine in der persönlichen Begegnung übliche Verbindlichkeit steht in schroffem Widerspruch zum verächtlichen Tonfall, mit dem er in den sozialen Netzwerken unsere an Werten der Humanität und christlicher Hilfsbereitschaft orientierten Warnungen vor einem Bettelverbot nicht nur diskreditiert, sondern systematisch in den Schmutz zieht.

Wenn wir – ganz im Einklang mit wiederholten Äußerungen von Bischof Ivo Muser – das Betteln als Grundrecht akzeptieren, so mag diese Haltung zwar kritisierbar sein, sie berechtigt aber in keiner Weise die unflätige Wortwahl, der sich Herr Bessone auf seiner viel beachteten Facebook-Seite befleißigt.

Zudem ist er als Vizepräsident des Gemeinderats zu einem Mindestmaß an Überparteilichkeit und gutem Ton verpflichtet, die er mit seinen Ausfällen gröblich verletzt. Daher fordern wir die sofortige Einstellung der Attacken auch durch Sie, den Stadtrat und die Mehrheit, da diese Angriffe den Respekt vor Kollegen und die Würde des Gemeinderats in den Schmutz populistischer Injurien ziehen.
Wir ersuchen daher, Herrn Bessone in aller Deutlichkeit auf die Untragbarkeit seiner Äußerungen hinzuweisen und ihm weitere Angriffe zu untersagen. Andernfalls müssten wir jene politischen und rechtlichen Schritte ergreifen, die zum Schutz unserer Ehre und jener des Gemeinderats nicht nur notwendig, sondern längst überfällig sind.

Kritik ist in einer Demokratie selbstverständlich notwendig und geboten, nicht aber die Diskriminierung des politischen Gegners in einer Gossensprache, die an längst verflossen geglaubte Zeiten erinnert. Wir erlauben uns daher auch, dieses Schreiben den Medien zuzuleiten, um auf die Gefährdung der Regeln der politischen Korrektheit und des menschlichen Anstands hinzuweisen.

In der Gewissheit, dass Sie kraft Ihres Amtes rasch und entschieden handeln werden, verbleiben wir,

mit freundlichen Grüßen
Elda Letrari Cimadom Markus Frei Elisabeth Thaler

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